Verleihung des Deutsch-Italienischen Übersetzerpreises 2014 in Rom

Am 15. Mai fand in Rom zum siebten Mal die Verleihung des Deutsch-Italienischen Übersetzerpreises statt. Den Preis für die beste Übersetzung erhielt Roberta Gado für ihre Übersetzung des Romans „Murmeljagd“ von Ulrich Becher („Caccia alla marmotta“, Baldini & Castoldi). Mit dem Nachwuchspreis wurde Antonella Salzano für die Übersetzung von „Ich bin kein Berliner“ von Wladimir Kaminer ausgezeichnet („Non sono un berlinese. Una guida per turisti pigri“, Mimesis Edizioni).

Am 15. Mai 2014 wurde im Palazzo Barberini in Rom zum siebten Mal der Deutsch-Italienische Übersetzerpreis vergeben. Die jährliche Auszeichnung richtet sich an Übersetzerinnen und Übersetzer, die mit ihrer Arbeit zur Verbreitung der zeitgenössischen deutschen Literatur in Italien und der italienischen Literatur im deutschsprachigen Raum beigetragen haben. 

Mit dem mit 10.000 Euro dotierten Preis für die beste Übersetzung wurde in diesem Jahr Roberta Gado für ihre Übersetzung von Ulrich Bechers Roman „Murmeljagd“ ausgezeichnet, der in Italien unter dem Titel „Caccia alla marmotta“ bei Baldini & Castoldi erschienen ist. Die Jury begründete ihre Wahl wie folgt:

“Dieser historisch-politische Kriminalroman spielt in den Schweizer Alpen zur Zeit des Vormarsches der Nationalsozialisten in Europa und ist der kühne Versuch, die menschlichen Befindlichkeiten in dieser ‚verbrecherischen Zeit‘ zu untersuchen und darzustellen. Die zweite Ausgabe des Romans zum 100. Geburtstag des Autors war Anlass zu seiner Wiederentdeckung und Neubewertung sowohl seitens der Leserschaft als auch der Kritik. Die üppige, überbordende, teils groteske und mit Wortspielen und Neologismen gespickte Prosa von Murmeljagd wurde von Roberta Gado mit herausragender Bravour übersetzt. Ihre italienische Version findet in der subtilen Wortschöpfung, im Satzbau und in der Wiedergabe von Rhythmus und Musikalität des Textes einen Stil, der dem Vergleich mit dem Original tatsächlich standhält.“ 

Antonella Salzano wurde der Nachwuchspreis für ihre Übersetzung von Wladimir Kaminers „Ich bin kein Berliner. Ein Reiseführer für faule Touristen“ zugesprochen. Der Nachwuchspreis besteht aus einem vierwöchigen Arbeitsaufenthalt im Literarischen Colloquium (LCB) am Wannsee in Berlin. In der Begründung der Jury heißt es:

“Der Titel ‚Ich bin kein Berliner‘ (in Umkehrung des berühmten Kennedy-Satzes) kündet bereits Tonlage und Inhalt dieses überaus lebendigen Buches an, das ein sehr persönliches, aber auch detailreiches Bild der Stadt zeichnet, die die Wahlheimat des bekannten Schriftstellers ist. Diesen schönen Text und seine insgesamt eher ‚leichte‘ Tonlage ins Italienische zu bringen, erforderte vor allem die Fähigkeit, seine kommunikative Dimension präzise zu erfassen. Dies ist Antonella Salzano aufs Beste geglückt, die ihre Examensarbeit in ein viel versprechendes Debut als Literaturübersetzerin zu verwandeln wusste“. 

Im Rahmen einer Feierstunde unter den berühmten Fresken des Pietro da Cortona im römischen Palazzo Barberini wurden die beiden Preise vom deutschen Botschafter in Italien, Reinhard Schäfers, und der Staatssekretärin des italienischen Kulturministeriums, Ilaria Borletti Buitoni, überreicht.

Auch die Leiterin des Goethe-Instituts Italien, Gabriele Kreuter-Lenz, und der Präsident des Centro per il Libro e la Lettura, Romano Montroni, betonten in ihren Grußworten die elementare Bedeutung von Übersetzerinnen und Übersetzern für die Vermittlung und Verbreitung von Literatur in anderen Ländern und Sprachen. Nach der Laudatio der Jurypräsidentin Magda Olivetti und des Juroren Hermann Dorowin las die Schauspielerin Cloris Brosca Passagen aus den prämierten Texten, als musikalische Umrahmung war Denis Patkovic mit dem klassischen Akkordeon zu hören.

Dacia Maraini, Autorin und selbst Übersetzerin, betonte in ihrem Festvortrag die Bedeutung der Literatur für Europa und die europäische Kultur: "Wenn ich mich als Europäerin fühle, dann dank der Übersetzungen von englischen, französischen und deutschen Büchern. Sie sind meine Väter und meine Mütter." 

Zum Preis

Der italienischen Jury des Übersetzerpreises gehörten wie bereits in den vergangenen Jahren Magda Olivetti (Vorsitz), Hermann Dorowin (Germanist), Andrea Casalegno (Journalist), Camilla Miglio (Germanistin), Ugo Perone (Philosoph), Cesare De Marchi (Schriftsteller) und Maike Albath (Vorsitz der deutschen Jury) an. 

Der Preis würdigt hervorragende Übersetzungsarbeiten deutscher literarischer Werke, die ins Italienische übersetzt worden sind. Er wird vom Auswärtigen Amt, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie dem Italienischen Kulturministerium in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Italien und dem Centro per il Libro e la Lettura (Zentrum für das Buch und das Lesen) in Rom vergeben.