Italia und Germania
Friedrich Overbeck, 1828

Verleihung des Deutsch-Italienischen Übersetzerpreises 2015 im Bode-Museum in Berlin

Kulturstaatsministerin Grütters und ihr italienischer Amtskollege Franceschini haben in Berlin den achten Deutsch-Italienischen Übersetzerpreis verliehen. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung erhielt Moshe Kahn für seine Übersetzung des Romans "Horcynus Orca" von Stefano D´Arrigo.
Ragni Maria Gschwend wurde für ihr Lebenswerk ausgezeichnet, Julia Dengg erhielt den Nachwuchsförderpreis.

Moshe Kahns Arbeit sei eine Pionierleistung, durch die ein bedeutender Schriftsteller erstmals zugänglich gemacht wird, begründete die Jury ihre Entscheidung. "Horcynus Orca zählt zu den stilistisch aufregendsten und komplexesten Werken der jüngeren italienischen Gegenwartsliteratur, denn D´Arrigo erfindet eine Kunstsprache. Lustvoll und mit großer Phantasie bildet Kahn diesen Gestus nach. Ob Verfremdungen des Sizilianischen, pseudo-archaische Begriffe, Soziolekte, nautisches Fachvokabular, Neologismen oder klanglich grundierte Satzketten: Moshe Kahn gelingt eine schöpferische Nachgestaltung im Deutschen."

In der Basilika des Bode-Museums in Berlin überreichten Grütters und der italienische Minister für Kulturgüter, Dari Franceschini, neben dem Hauptpreis noch zwei weitere Auszeichnungen: Den ebenfalls mit 10.000 Euro dotierten Preis für das Lebenswerk erhielt Ragni Maria Gschwend. Julia Dengg bekam den Nachwuchsförderpreis für ihre Übertragung von Giorgio Orellis "Un giorno della vita". Sie kann sich über ein Stipendium für einen Studienaufenthalt in der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo freuen.

Grütters unterstrich in ihrer Festrede die Bedeutung von Übersetzungen als Brückenbauer zwischen verschiedenen Kulturen: "Jenseits des ästhetischen Genusses ist die Arbeit von Übersetzerinnen und Übersetzern auch politisch von Bedeutung. Literarische Übersetzungen tragen dazu bei, dass fremde Gedankenwelten Teil unserer Sprachwelt werden. Auf diese Weise eröffnen sie Räume der Verständigung und des Verstehens. Die übersetzten Bücher lenken den Blick auf andere Völker und Kulturräume."

Die deutsche Kulturstaatsministerin erläuterte: "So erweitern sie unseren Horizont und bauen unverzichtbare Brücken zwischen unseren Kulturen. Es ist mir daher ein besonderes Anliegen, die herausragende Arbeit der Übersetzerinnen und Übersetzer mit dem Deutsch-Italienischen Übersetzerpreis ins Licht der öffentlichen Aufmerksamkeit rücken und ihrer künstlerischen Leistung die verdiente Anerkennung und Wertschätzung zu verschaffen."

Für Grütters steht fest: "Ihr literarisches Talent, ihr Einfühlungsvermögen und ihre Sorgfalt entscheidet zu einem ganz wesentlichen Anteil mit darüber, welche Autorinnen und Autoren Weltliteraturgeschichte schreiben und mit ihren Eigenheiten auch andere Sprachwelten prägen."

Minister Franceschini unterstrich die wesentliche Rolle in der Annäherung der Zivilgesellschaften beider Länder, die Übersetzern als Vermittlern von Ideen zukommt. Das gegenseitige Verständnis sei die hauptsächliche Bedingung für die Verbreitung von Kultur, es hebe Verschiedenheit als Moment des Wachstums hervor. "Italien und Deutschland teilen diese gemeinsame Auffassung und sind der Überzeugung, dass die Literatur nicht nur gefördert, sondern nachdrücklich ermutigt werden sollte", so Franceschini weiter.

Die Preisverleihung in Bildern

Der italienische Kulturminister Dario Franceschini, Kulturstaatsministerin Monika Grütters und der Festredner Claudio Magris vor der Preisverleihung in der Großen Kuppelhalle des Bode-Museums


Ministergespräch unter der Kuppel


Ministergespräch unter der Kuppel


Auf dem Weg zur Preisverleihung


Kulturstaatsministerin Grütters begrüßt die Anwesenden in der Basilika des Bode-Museums


Kulturstaatsministerin Monika Grütters


Grußwort


Blick in die Basilika


Moshe Kahn wird für seine Übersetzung des monumentalen Romans "Horcynus Orca" von Stefano D´Arrigo geehrt


Ragni Maria Gschwend erhält den Deutsch-Italienischen Übersetzerpreis 2015 für ihr Lebenswerk


Der italienische Kulturminister Dario Franceschini, die Preisträgerin Ragni Maria Gschwend und Kulturstaatsministerin Monika Grütters


Julia Dengg erhält den Nachwuchsförderpreis


Das Berolina Ensemble umrahmt die feierliche Preisverleihung mit Stücken von Wolfgang Amadeus Mozart


Der Triester Schriftsteller Claudio Magris hält die Festrede


Gruppenfoto mit den Preisträgern und Juryvorsitzenden Maike Albath


Festredner Claudio Magris und Kulturstaatsministerin Monika Grütters in der Kamecke-Halle des Bode-Museums


Empfang unter dem Reiterstandbild des Großen Kurfürsten